Die Spur, die du nicht siehst
Jedes Mal, wenn du eine App aus einem offiziellen Store installierst, wird ein dauerhafter Eintrag in deinem Konto erstellt. Es spielt keine Rolle, ob du sie danach löschst. Es spielt keine Rolle, ob du den Verlauf löschst. Der Store weiß, dass du sie installiert hast, an welchem Datum und auf welchem Gerät. Jeder mit Zugriff auf euer Familienkonto kann das sehen.
Und das ist nur die Oberfläche. Die meisten Messaging-Apps speichern deine Gespräche auf Servern. Sie erstellen Backups in der Cloud. Sie protokollieren, mit wem du sprichst, zu welcher Uhrzeit und wie oft. Nachrichten mögen verschlüsselt sein, aber die Metadaten — wer mit wem spricht — sind es nicht.
Was "keine Spur" wirklich bedeutet
Ohne Spur zu kommunizieren bedeutet nicht, Nachrichten hinterher zu löschen. Es bedeutet, dass kein Nachweis existiert, dass das Gespräch je stattgefunden hat. Nicht auf einem Server, nicht in einem Cloud-Backup, nicht im Kaufverlauf deines App Stores. Dafür braucht es drei Dinge.
Erstens: Nachrichten dürfen über keinen Server laufen. Wenn sie über einen Server laufen, kann jemand sie speichern, analysieren oder auf Anfrage herausgeben. Der einzige Weg, das zu vermeiden, ist der direkte Versand von einem Gerät zum anderen.
Zweitens: Die App darf nicht aus einem Store heruntergeladen werden. Wenn du sie aus einem Store herunterlädst, bleibt sie für immer in deinem Kaufverlauf. Die Alternative ist eine Web-App, die über den Browser installiert wird — sie funktioniert genau wie eine native App, hinterlässt aber keinen Eintrag in einem externen Konto.
Drittens: Du brauchst keine Telefonnummer und keine E-Mail zur Registrierung. Wenn du dich mit deiner Nummer registrierst, bist du bereits mit deiner realen Identität verknüpft. Wenn du dich mit einer E-Mail registrierst, gibt es eine Spur. Privatsphäre beginnt damit, ein Konto erstellen zu können, ohne persönliche Daten preiszugeben.
Drei Dinge, die du selbst überprüfen kannst
Man muss kein Techniker sein, um zu prüfen, ob eine App wirklich privat ist. Öffne die Entwicklertools deines Browsers und schau dir drei Dinge an: Gibt es Cookies? Gehen die Anfragen nur an die Domain der App oder auch an externe Dienste? Werden Daten in irgendeiner Cloud gespeichert?
Wenn die App Cookies setzt, trackt dich jemand. Wenn Anfragen an Drittanbieter-Domains gehen, erhält jemand Informationen über dich. Wenn es ein automatisches Cloud-Backup gibt, liegen deine Nachrichten auf einem Server, den du nicht kontrollierst.
Die richtige Frage
Die Frage ist nicht "Verschlüsselt diese App die Nachrichten?". Das tun fast alle. Die richtige Frage ist: "Wo sind meine Daten, wenn ich nicht hinschaue?". Wenn die Antwort lautet "auf deinem Gerät und nirgendwo sonst", dann hast du echte Privatsphäre. Wenn die Antwort lautet "auf unseren Servern, aber verschlüsselt", dann hast du ein Versprechen. Und Versprechen können gebrochen werden. Denn ein Server ist am Ende nichts anderes als die Festplatte eines anderen. Und dieser andere bist nicht du.
Es gibt Apps, bei denen deine Daten nur auf deinem Gerät existieren. Wo Nachrichten direkt von einem Handy zum anderen gehen. Wo du keine Nummer angeben und nichts aus einem Store herunterladen musst. Wo die einzige Person, die weiß, dass du sie nutzt, du selbst bist. Sie existieren. Man muss nur wissen, wo man sucht.